this Time

Vielen lieben Dank an unseren Mitti für den Beitrag auf unser monatliche Seite „This time“. Er erzählt von seiner Leidenschaft, dem Pilze sammeln und hat dabei auch ein paar sehr schöne Fotos gemacht.

(M)ein Hobby

Hier ein paar persönliche Erfahrungen und Eindrücke zum Thema Pilze.

Was treibt Menschen zum Pilze sammeln in den Wald? Ist es die frische Luft im Wald? Die Freude an der Bewegung? Der Appetit auf Pilze? Die Aussicht, kostenlos an etwas Essbares zu kommen? Ein Rest des uralten Jagdinstinktes?

Vielleicht von allem etwas und Hauptsache es macht Spaß.

Wann gibt es Pilze? Die Hauptsaison für Pilze ist in etwa Juni bis zum Einsetzen der Nachtfröste, und konzentriert sich auf den Herbst. Anhaltende Trockenheit lässt die Pilze ausbleiben. In diesem Sommer war das bei uns so. Ausreichende Niederschläge im Herbst brachten die Pilze dann jedoch üppig zum Sprießen.

Welche Pilze kann man suchen? Nun ja, suchen könnte man alle, aber lieber nicht Essen. Es kommt nur ins Körbchen, was man 100% sicher als Speisepilz identifizieren kann, von allem anderen dringend die Finger weg! Es gibt zwar nur wenige tödlich giftige Pilze (wie tröstlich) aber mit einer Pilzvergiftung ist nicht zu spaßen.

Dabei hat fast jeder Pilz einen „Doppelgänger“,  der im besten Fall nur ungenießbar ist. Mag ich auch ein relativ guter Pilzkenner sein – ich nehme zum Beispiel keine Perlpilze oder Graue Wulstlinge, die Verwechslungsgefahr mit dem hochgiftigen Pantherpilz ist mir einfach zu hoch. (Siehe auch Fotos).

Selbst unser schöner Steinpilz kann mit dem Bitterling verwechselt werden. Wie der Name sagt, würde dieser Pilz unser ganzes Pilzgericht mit seiner Bitterkeit verderben. Er gehört damit zur Gruppe der ungenießbaren aber nicht giftigen Pilze. Um sicher zu gehen, kann man hier ein ganz kleines Stückchen Fruchtfleisch auf der Zunge zergehen lassen, wer dann spuckt hat jedenfalls keinen Steinpilz in der Hand. Die Methode ist aber die Ausnahme, wenn keine Verwechslungsgefahr mit giftigen Pilzen besteht. Ansonsten: unbekannte Pilze nicht unnötig anfassen. Ich weiß nicht, wie ihr es sonst haltet, aber beim Pilze suchen gehören die Finger auf jeden Fall nicht in den Mund.

In dem Zusammenhang eine Bitte: alle Pilze, die Ihr nicht sammelt, einfach stehen lassen und nicht etwa zertrampeln. Das ist nicht nur ein Zeichen der Achtung gegenüber der Natur, auch kann ein später vorbeikommender Pilzsucher oder Spaziergänger vielleicht seine Freude beim  Anblick eines rotleuchtend-weißgepunkteten Fliegenpilzes haben.

An dieser Stelle möchte ich die Geschichte vom Frostschneckling erzählen. Von dem Pilz hatte ich immer wieder gehört, ihn aber nie gefunden. Auch bin ich im Winter eher selten im Wald. Das Erstaunliche an ihm ist nämlich: er benötigt Bodenfrost und schiebt erst danach seine Fruchtkörper aus der Erde. Wir machten also Ende November mal einen Waldspaziergang und entdeckten diesen Pilz. Zu dieser Zeit wächst ja nichts anderes und es besteht damit faktisch keine Verwechslungsgefahr. Wir nahmen dann einige Exemplare mit nach Hause und ich recherchierte nach einem Pilzberater. Ich fand einen, rief ihn an und durfte gleich zu ihm fahren. Er identifizierte den Pilz sofort eindeutig.

Am nächsten Tag haben wir dann eine größere Menge davon gesammelt. Der Frostschneckling ist nicht sehr ergiebig und auch geschmacklich nicht besonders wertvoll (sehr schwacher Pilzgeschmack). Aber der Spaß war es auf jeden Fall wert, auch nochmals dann, wenn man seinen Bekannten Ende November erzählte, dass man letzte Woche Pilze gesammelt hat.

Ich möchte noch auf Folgendes hinaus: wer sein Wissen über Pilze erweitern möchte, sollte in Frage kommende Pilze sorgfältig aus der Erde drehen, zu Hause sehr tiefgründig recherchieren und sich auch an einen Pilzberater wenden. Diese arbeiten ehrenamtlich, beraten kostenlos und freuen sich über jeden interessierten Pilzfreund.

Womit wir nun endlich zum Essen kommen, bzw. zur Verarbeitung der Pilze. Klar wir lieben eine deftige Pilzpfanne mit Zwiebel, Gewürzen und etwas Butter. Gerne Pellkartoffeln dazu.

Einen Teil der Pilze kochen wir ein, im Prinzip wie Gewürzgurken. Interessanterweise eignet sich der als wenig wertvoll betrachtete Butterpilz hervorragend dazu. Später, wenn das Glas geöffnet wird, kommt noch frische Zwiebel und etwas Speiseöl an die Pilze und fertig ist der Pilzsalat.

Ein großer Teil der Pilze wird bei uns getrocknet. Dafür habe ich vor Jahren ein 20 cm breites Streckmetall (feines Metallgitter) im Baumarkt gekauft und auf die Länge eines Heizkörpers zugeschnitten. Dieses wird dann auf den Heizkörper gelegt und mit den zu trocknenden Pilzstücken „beladen“. Die aufsteigende Warmluft trocknet die Pilze schonend und je nach Heizleistung in etwa 2 Tagen. Lüften nicht vergessen. Die getrockneten Pilze unter Luftabschluss (in einem Einweckglas) aufbewahren, damit sie keine Feuchtigkeit anziehen können.

Getrocknete Pilze verfeinern Fleischrouladen, Gulasch und Co., passen aber auch hervorragend in eine Hühnernudelsuppe.

Nun ein paar Bilder von Pilzen. Sie stammen aus zwei Pilzgängen dieses Jahr, die Frostschnecklinge vom November 2016. Viel Spaß dabei….Euer M.

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